Die Geschichte der Feuerlöschwesens und der Feuerwehr in Birkach als selbständige Gemeinde und im Vorort der Landeshauptstadt Stuttgart

1140 – 1800

Das Dorf Birkach ist im Jahr 1140 erstmalig urkundlich erwähnt und es war damals und bis ins 18. Jahrhundert mit noch nicht einmal 300 Bewohnern eine sehr kleine Gemeinde. Die Bauern und Tagelöhner waren sicher nicht reich genug um sich Gebäude aus Stein zu bauen. Da aber die einfachen Holzhäuser mit Stroh- und Schindeldeckung sowie die im Mittelalter aufgekommenen Fachwerkhäuser mit hölzernen Decken und Böden und Spreuerfüllung dazwischen sowie die Stallungen und Scheuern sehr anfällig für ungehütetes Feuer waren ist anzunehmen, dass so manches Haus im Dorf ein Raub der Flammen wurde. Schon bald dürften auch die Einwohner von Birkach sich mit Löscheimern aus Leder sowie Feuerpatschen ausgestattet haben um Brände in ihren Anwesen zu löschen und um sich gegenseitig auch im Brandfall zu unterstützen, weil ein Feuer durch Wind angefacht in der dichten Bebauung drohte auf andere Häuser überzuspringen und so die Nachbarschaft und das ganze Dorf gefährdete. Damit ist die Geschichte der Löschhilfe sicher so alt wie Birkach selbst, aber hier soll doch mehr als nur diese für jeden Ort gültige Aussage gemacht werden.

In der Fehde der Freien Reichsstadt Eßlingen gegen Graf Ulrich V. von Württemberg wurde am 30. Oktober 1449 das Dörfchen Birkach zum Teil abgebrannt. Gegen solches kriegerisches Brandschatzen gab es damals und auch in neuer Zeit keine erfolgreichen und schnellen Löschmaßnahmen, die ein solch großes Schadenfeuer rasch hätte löschen können.

Als erste feuerwehrtechnische Information werden im Jahr 1800 im Ortsinventar von Birkach vorhandene „49 Feueraimer“ genannt. 1842 ist eine Ortsspritze dort erwähnt, mit der Löschhilfe durch die freiwillig Helfenden geleistet werden konnte. Über die technische Ausstattung und Zubehör dieser Handdruckspritze ist nur bekannt, dass sie beim Kauf einer neuen Spritze im Jahr 1886 bei Heinrich Kurtz in Stuttgart mit 110 Goldmark in Zahlung gegeben wurde.


Vermutlich erste Birkacher Spritze aus 1886 von Kurtz, Stuttgart
Quelle: unbekannt
1801 – 1929

Nach der Feuerlöschordnung für das Königreich Württemberg, erlassen von König Karl am 7. Juni 1885, wird in Birkach am 6. Januar 1886 durch Schultheiß Christian Bientzle eine Pflichtfeuerwehr gegründet. Bei Glockengießer und Feuerspritzenhersteller Heinrich Kurtz war eine Handdruckspritze für Pferdebespannung geeignet, um 1.000 Goldmark gekauft worden. Schultheiß Bientzle war gleichzeitig Feuerwehrkommandant. Am 3. und 5. April 1886 leistet diese noch ganz neue Birkacher Feuerwehr gleich sehr erfolgreich Nachbarschaftshilfe bei Schadensfeuern, die durch Brandstiftung im Nachbarort Plieningen gelegt worden waren.

Im Jahr 1902 wird eine Ortswasserleitung gebaut, die die Wasserentnahme an 14 Hydranten im Dorf ermöglicht. Die bisherige Wasserförderung durch Eimerketten (auch Kübeleszug genannt) aus der Wette beim Rathaus und aus Ortsbrunnen erübrigt sich dadurch. Bei Bränden im Gasthaus Krone und im Gasthaus Lamm im Jahr 1912 gelingt es der Feuerwehr durch diese neue Wasserentnahme aus dem Rohrnetz ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude jeweils zu verhindern und der Brandschaden kann begrenzt werden.
Als Nachfolger von Kommandant Christian Bientzle übernahmen die Kommandantschaft

  • Hermann Käser, Bauer
  • Wilhelm Schempp, Schlosser
  • Karl Käser, Bauer
  • Paul Kaiser, Bauunternehmer
  • Wilhelm Wittmann, Buchbinder

und im Jahr 1922 Karl Jäger, Schreiner und Gastwirt. Er überführte die sehr bescheiden ausgestattete Pflichtfeuerwehr (ohne Uniformen und Stiefel nur mit Helmen) in eine Freiwillige Feuerwehr mit entsprechender Satzung. Die Mannschaftsstärke der Wehr wird 1914 mit 120 Mann angegeben.

1930 – 1982

Beim Brand des Hohenheimer Schlosses im Jahr 1930 und zum Großbrand des Alten Schlosses in Stuttgart vom 21. bis 23. Dezember 1931 rückt die Birkacher Wehr mit der seit 1886 bewährten Handdruckspritze aus und bringt jeweils zusammen mit anderen Feuerwehren erfolgreiche Löschhilfe. Unter Hermann Vetter, der seit 1928 Kommandant ist, wird die Birkacher Wehr komplett uniformiert und erhält 1935 eine Ziegler-Motorspritze (aufgeprotzt auf einer zweirädrigen Lafette mit Standrohr und Saugeschläuchen), die die nun 50-jährige Handdruckspritze ablöst. Die bisher übliche Alarmierung mit der Rathausglocke und den Kirchenglocken wird durch Sirenenalarmierung ersetzt. Schreinermeister Erich Wetzel übernimmt die Kommandantschaft 1936 bis 1940, wird zum Kriegsdienst einberufen und übergibt wieder an Hermann Vetter, der die Eingemeindung Birkachs 1942 nach Stuttgart erlebt und bis zum Kriegsende im Mai 1945 als Hauptbrandmeister der Feuerlöschpolizei in Birkach mit der Wehr viele kriegsbedingte Brandeinsätze auch in Stuttgart mit einem LF 8 fährt.

Bezirksvorsteher Schweizer aktiviert die Freiwillige Feuerwehr in Birkach im Januar 1950 unter dem neuen Abteilungskommandanten Fritz Schäfer und 20 Feuerwehrkameraden, sie entsteht als wohl letzte und 23. Freiwillige Feuerwehrabteilung in den Stuttgarter Vororten. Die Birkacher Abteilung untersteht nun der Berufsfeuerwehr Stuttgart und übt und löscht weiterhin mit der Ziegler-Motorspritze, die wie alle Gerätschaften zuvor seit 1886 in der Feuerwehrremise unter dem Rathaus steht. Eine neu erstellte Feuerwehrhalle im Jahr 1954 neben dem Rathaus ermöglicht das Einstellen der Feuerwehrausstattung und 1956 kommt ein Mercedes-Löschgruppenfahrzeug (Jahrgang 1936) mit einem Tragkraftspritzenanhänger. Das 75-jährige Bestehen der Wehr wird 1960 gefeiert. Eine Weckerschleife löst die Sirenenalarmierung ab. 1965 wird ein großes Löschgruppenfahrzeug Magirus LF 25 für das ausgemusterte LF 8/TSA bereitgestellt. Eberhard Arker wird 1967 Abteilungskommandant. Eine TSF/MTF-Kombination, bestehend aus 2 VW-Kombi, löst 1968 das LF 25 ab. Mehrere Klein- und Mittelfeuer werden in dieser Zeit und in den Folgejahren von der Birkacher Wehr in Zusammenarbeit mit der Wache 5 der Berufsfeuerwehr gelöscht. Freiwerdende Räume der aufgegebenen Bezirksbadeanstalt unter der Feuerwehrfahrzeughalle werden in Eigenleistung der Kameraden der Wehr zu Unterrichtsräumen mit Küche umgebaut.

Im Jahr 1974 wird in Birkach die Weckerlinie durch eine Funkalarmierung ersetzt, 21 Aktive erhalten je einen Funkmeldeempfänger, der wegen seines ordinären Alarmpfeiftons im allgemeinen Feuerwehrjargon „Piepser“ genannt wird. Zusätzlich zu den beiden VW wird 1977 ein Tanklöschfahrzeug TLF 8 auf Unimog-Fahrgestell in Zivilschutz-Ausstattung an die Abteilung überstellt und der Ausrückebezirk erweitert sich um die Hochhäuser Asemwald, das Wohngebiet Steckfeld und später die Kelley Barracks (amerikanische Kasernen an der Filderhauptstraße). Das Tanklöschfahrzeug wird in den Plan Großalarm Flughafen integriert. 1981 wird eine Jugendfeuerwehrgruppe in Birkach gegründet, aus der seit dieser Zeit bei Erreichen des 18. Lebensjahres sehr gut ausgebildete Feuerwehrleute in die aktiven Einsatzdienst übernommen werden. Ein neues Feuerwehrhaus mit 4 Fahrzeugständen und einem Unterrichtsraum sowie 2 Wohnungen für Wehrangehörige an der Törlesäckerstraße wird 1982 eingeweiht und im gleichen Jahr kommt ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 8 Mercedes O 408 zum Einsatz.

ab 1983

Werner Krauss übernimmt 1983 die Funktion des Abteilungskommandanten und bereitet die Feier zum 100-jährigen Bestehen der Wehr vor, die im Juni 1984 begangen wird. In dieser Zeit wird die Funkausstattung der Fahrzeuge eingeführt und Atemschutzausbildung mit Pressluftatmern erfolgt.

Die bei der Landhauskreuzung entstandene Industrieansiedlung der IBM und das Druckzentrum der Stuttgarter Zeitung sowie die DaimlerChrysler-Konzernzentrale gehörten nun ebenso zum Birkacher Ausrückebezirk wie die Wohnsiedlung Fasanenhof. Die IBM und das Druckzentrum haben mit ihren Brandmeldeanlagen viele Alarme ebenso die Kelley Barracks. Außerdem werden Großalarme Flughafen mit dem gesamten Birkacher Löschzug gefahren, der zwischenzeitlich im Tausch ein neues TLF 8/18 auf einem Unimog-Fahrgestell U1300 erhalten hatte. Weitere Brandeinsätze von großem Ausmaß sind für die Wehr im Hochhaus Salute im Fasanenhof und der städtische Kindergarten in der Grüninger Straße, bei der Überflutung der DaimlerChrysler-Konzernzentrale wird mit der Berufsfeuerwehr im Großeinsatz abgepumpt. Die riesigen Sturmschäden von „Wibke“ 1990 und „Lothar“ 1999 werden von der Wehr neben den Kollegen der anderen Wehren Stuttgarts in jeweils mehrtägigen Einsätzen behoben.

Ein Gerätewagen mit Messaufgaben (GW Mess) wird 1996 bei der Wehr stationiert und zu Großeinsätzen im ganzen Stadtgebiet alarmiert. Außerdem erhält die Abteilung Birkach 2001 im Tausch ein Löschfahrzeug LF 8/6 Mercedes Atego mit 900 l Wasser und mit technischer Hilfeleistungsausstattung wie Schere und Spreizer sowie Lichtmast. Diese Hilfeleistung wurde bereits bei 4 tragischen KFZ-Unfällen auf der Mittleren Filderlinie erbracht. – Die 51 aktiven Feuerwehrangehörigen trainieren in 14-tägigem Turnus für den Ernstfall, der immer unangemeldet morgens, mittags, abends oder nachts kommt, bei der Arbeit und in der Freizeit, nämlich „Feuerwehreinsatz im Ausrückebereich!“ (hw)

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